Mit einer spektakulären LED-Wall, internationalen Artistinnen und Artisten sowie den traditionsreichen Pferdedarbietungen verbindet der Circus Knie moderne Inszenierung mit klassischer Zirkuskunst. Tierlehrer Ivan Frédéric Knie spricht im Interview über die neue Show, die besondere Beziehung zu seinen Pferden und darüber, warum der Circus auch die junge Generation begeistern soll.

Ivan Frédéric Knie, der Circus Knie startet 2026 mit einer neuen Show – was macht dieses Programm für Sie persönlich besonders?
Ivan Frédéric Knie: Wir sind nun seit März auf Tournee und ich würde unsere LED-Wall dieses Jahr als Besonderheit herausstreichen. Darauf können wir Videoanimationen abspielen und den Artisten so eine passende Kulisse bieten. Artistik und Technik verschmelzen zu einer neuen Kunstform und wir bieten sozusagen Circus in einer neuen Dimension.
Was fasziniert Sie heute noch am meisten am Leben im Circus?
Mich faszinieren die unterschiedlichen Kulturen, die bei uns so eng zusammenleben. Es ist immer wieder spannend, Kolleginnen und Kollegen aus der ganzen Welt kennenzulernen und während neun Monaten mit ihnen zusammenzuleben.
Was dürfen die Zuschauerinnen und Zuschauer in der neuen Show erwarten? Gibt es ein Element, auf das Sie besonders stolz sind?
Unsere Gäste dürfen eine Mischung aus Artistik, Comedy und Technik erleben. Wir sind besonders stolz darauf, dass wir neue technische Akzente setzen und dennoch die Tradition des Zirkus hochleben lassen. Unsere Show fasziniert alle Generationen.
Wie gelingt es dem Circus Knie, die traditionelle Zirkuskunst mit modernen Elementen und neuen Technologien zu verbinden?
Einerseits haben wir über die Jahre ein Gespür für unser Publikum bekommen. Andererseits arbeiten wir stets nach dem Grundsatz, dass die Artisten und ihre Leistung im Mittelpunkt stehen und die Technik diese Kunst unterstützen soll. Darauf achten wir besonders, wenn es um die Inszenierung der neuen Show geht.
Die Pferde gehören seit Generationen zur DNA des Circus Knie. Welche Bedeutung haben sie für Sie persönlich?
Ich bin mit Pferden aufgewachsen und sie zählen für mich zur Familie. Ich liebe es, mit ihnen zu arbeiten und gemeinsam neue Darbietungen einzustudieren.

Was fasziniert Sie bis heute an der Arbeit mit Pferden und daran, eine gemeinsame Darbietung mit ihnen zu entwickeln?
Pferde sind sehr intelligente und sensible Tiere. Sie lernen gern und erinnern sich manchmal sogar besser an die einstudierten Abläufe als ich. Bei der Arbeit mit den Pferden gehe ich immer auf die individuellen Fähigkeiten der Tiere ein. So entsteht dann Schritt für Schritt eine neue Darbietung. Ein Prozess, der mir Freude bereitet.
Wie viel Zeit und Geduld braucht es, bis eine neue Pferdenummer bühnenreif ist?
Es braucht sehr viel Zeit und Geduld. Man kann da keine Zahl in Monaten oder Jahren nennen, da das Tempo bei jedem Tier individuell ist. Bei jedem Pferd steht zu Beginn aber das ABC an, wie wir die Grundlagenausbildung nennen. Wenn die Tiere sozusagen diese Schule durchlaufen haben, arbeiten wir an neuen Darbietungen. Diese entstehen meist ein bis zwei Jahre bevor wir sie auf der Tournee präsentieren.
Was muss ein moderner Circus bieten, damit er auch junge Generationen begeistert?
Die junge Generation ist sich schnelle Wechsel wie bei TikTok-Videos gewohnt. Entsprechend müssen wir bei den Darbietungen für viel Abwechslung sorgen. Zudem wünscht das junge Publikum eine inszenierte Show, also keine reine Abfolge von Darbietungen, sondern dass diese beispielsweise mit Tanz-Choreografien miteinander verbunden sind. Zirkus-Klassiker wie etwa der Clown oder auch die Pferdedarbietungen stossen beim jungen Publikum aber auf sehr grosse Begeisterung, wie wir immer wieder feststellen dürfen.
Eine Tournee durch die ganze Schweiz bedeutet einen enormen logistischen Aufwand. Was sind die grössten Herausforderungen hinter den Kulissen?
Da gibt es einige. Zum Beispiel haben wir sehr schweres Material. Daher ist es wichtig, dass wir auf einer guten Bodengrundlage spielen können. Zudem ist der Faktor Zeit immer kritisch, da wir für den Abbau, Transport und Aufbau oft nur zwei Tage Zeit haben.
Wie wichtig ist der Zusammenhalt des gesamten Teams – von den Artisten über die Technik bis zur Administration – für den Erfolg einer Tournee?
Dieser Zusammenhalt ist essenziell. Nur mit einem gut eingespielten Team, dass miteinander arbeitet, gelingt es uns, das Publikum zum Staunen zu bringen. Wir sind dankbar, dass wir so viele treue Mitarbeitende haben, die teilweise bereits über Jahrzehnte bei uns sind.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Circus in der Schweiz?
Dass der Circus auch in Zukunft die verschiedenen Generationen gleichermassen begeistert und dass die Rahmenbedingungen, um einen Circus erfolgreich zu betreiben, auch künftig gegeben sind.
Interview: Corinne Remund
Ivan Frédéric Knie ist der Sohn von Géraldine Knie und Ivan Pellegrini. Er gehört mit seinen zwei Halbgeschwistern zu der achten Generation der Knie-Familie. Ivan Knie hat eine grosse Leidenschaft für Pferde und Dressurreiten. Seinen Schützlingen, den Pferden des Circus Knie, gehört seine volle Aufmerksamkeit. Ivan Knie arbeitet mit viel Einfühlungsvermögen mit ihnen. Es ist der Grundstein dafür, dass seine Darbietungen in der Manege so leicht wirken. Daneben ist Ivan Knie auch für den Auf- und Abbau der Stallungen sowie den Transport der Pferde verantwortlich, und er übernimmt zunehmend repräsentative Aufgaben. In seiner Freizeit lebt Ivan Knie sein sportliches Talent aus, sei es bei einem Tennismatch oder im Fitnesscenter.



