Ein neuer Beruf entsteht

    Die Anforderungen an Fachkräfte im Haushaltsgeräte-Service haben sich stark verändert. Um dieser Entwicklung gerecht zu werden, baut der Fachverband Elektro­apparate für Haushalt und Gewerbe Schweiz (FEA) eine neue berufliche Grundbildung auf – mit dem Ziel, Technik, Digitalisierung, Kundenkontakt und Nachhaltigkeit in einem zukunftsfähigen Berufsbild zu vereinen.

    (Bilder: zVg) Der FEA engagiert sich für nachhaltige Rahmenbedingungen in der Schweizer Elektroapparatebranche – von der Energieeffizienz über das Recycling bis zur beruflichen Grundbildung.

    Wer über Nachhaltigkeit spricht, denkt oft an Recycling. Dabei beginnt Ressourcenschonung viel früher: mit langlebigen Produkten, einer funktionierenden Reparaturkultur und verantwortungsvollen Entsorgungslösungen. Genau hier setzt die Schweizer Elektroapparatebranche an. Die Mitglieder des FEA tragen mit hochwertigen Geräten, einem flächendeckenden Servicenetz und ihrem Engagement für das Recycling dazu bei, dass Haushaltsgeräte möglichst lange genutzt und wertvolle Rohstoffe im Kreislauf gehalten werden. «In der Schweiz besteht eine Reparaturkultur bei Haushaltsgeräten. Dank Service und Reparaturen bleiben die Geräte länger im Einsatz», erklärt Diego De Pedrini, Geschäftsleiter des Fachverbandes Elektroapparate für Haushalt und Gewerbe Schweiz FEA. «Erhebungen zeigen, dass jährlich über eine Million Reparaturen durchgeführt werden, von denen der überwiegende Teil erfolgreich verläuft.»

    Mit dem freiwilligen Kühlschrankrecycling gehörte der FEA zu den Pionieren der Schweizer Abfallwirtschaft. Bis heute engagiert sich der Verband in den Gremien der Stiftung SENS für ein hochwertiges und zugleich kosteneffizientes Recycling von Elektro- und Elektronikgeräten. Hersteller und Händler sind zur Rücknahme ausgedienter Geräte verpflichtet.

    Diego De Pedrini, Geschäftsleiter des Fachverbandes Elektroapparate für Haushalt und Gewerbe Schweiz FEA.

    Energieetikette als Erfolgsmodell für mehr Effizienz
    Ein grosses Thema in der Branche ist eine gute Energieeffizienz. Ganz in diesem Sinne ist die Energieetikette, welche die Branche erfolgreich lanciert hat. Dazu De Pedrini: «Die Energieetikette bietet Konsumentinnen und Konsumenten eine einfache Orientierung und zeigt auf einen Blick, wie energieeffizient ein Gerät ist.» Für besonders effiziente Produkte stellt sie ein wichtiges Verkaufsargument dar. Die zugrunde liegenden Messmethoden werden unter Einbezug der Branche entwickelt und sind breit abgestützt sowie anerkannt. Die Einhaltung der Vorgaben wird vom Bundesamt für Energie (BFE) überwacht. Dem FEA ist es wichtig, dass diese Kontrollen konsequent durchgeführt und die dafür notwendigen Ressourcen bereitgestellt werden. Die wichtigsten Errungenschaften der Haushaltsapparatebranche der letzten Jahre sind die deutlich verbesserte Energieeffizienz, die zunehmende Automatisierung, die Smart-Home-Vernetzung sowie innovative und ressourcenschonende Recyclinglösungen.

    Neues Berufsbild startet im Sommer 2029
    Die Berufsbildung hat sich in den letzten Jahren zu einem zentralen Tätigkeitsfeld des FEA entwickelt. Mit der Statutenänderung 2026 wurde dies formal verankert: Der Verband ist seither nicht nur Branchen-, sondern auch Berufsverband. «Auslöser waren der Fachkräftemangel im Haushaltsgeräte-Service sowie die zunehmende Bedeutung von Nachhaltigkeit und Reparaturfähigkeit. Daraus entstand die Initiative zur Entwicklung einer eigenen beruflichen Grundbildung», erklärt De Pedrini. Das Projekt ist strategisch bedeutend und wird von Verband und Mitgliedern gemeinsam getragen. Neben den ordentlichen Beiträgen leisten die Mitgliedsunternehmen zusätzliche, befristete Finanzierungsbeiträge; auch der FEA investiert eigene Mittel. Die einstimmige Zustimmung der Generalversammlung unterstreicht den breiten Rückhalt in der Branche: «Die Zusammenarbeit mit Bund und Kantonen verläuft konstruktiv. Mit dem Projekt öffnet sich uns zudem für Unternehmen ausserhalb des bisherigen Mitgliederkreises, insbesondere für Service- und Reparaturbetriebe.»

    Mit der Fachfrau/dem Fachmann Servicetechnik Haushaltsgeräte EFZ entwickelt der FEA einen neuen Beruf für einen klar ausgewiesenen Bedarf. Mittelfristig werden bis zu 200 Lernende pro Jahr erwartet, zu Beginn rund 50. «Heute werden Fachkräfte häufig aus verwandten Berufen rekrutiert und intern ausgebildet, was den spezifischen Anforderungen des Haushaltsgeräte-Services nur teilweise gerecht wird», konkretisiert De Pedrini. Der neue Beruf umfasst Diagnose, Wartung, Reparatur, Installation und Inbetriebnahme von Haushaltsgeräten sowie Fehleranalyse im Kundendialog, den Umgang mit Softwareproblemen und die Geräteprüfung. Ebenso zentral ist die Kundenberatung zur Bedienung, Wartung und nachhaltigen Nutzung. Die Entwicklung ist anspruchsvoll, da alle Grundlagen neu erarbeitet werden müssen. Im Zentrum steht die Definition der Handlungskompetenzen sowie die Abstimmung zwischen Branche, Bund, Kantonen und Lernorten. Der FEA befindet sich in der Umsetzungsphase: «Bildungsplan und Bildungsverordnung liegen in erster Fassung vor, die interne Anhörung läuft, danach folgen Überarbeitung und Ausarbeitung des Qualifikationsverfahrens.» Parallel entstehen Umsetzungskonzepte für Betriebe und Berufsbildende. Der Ausbildungsstart ist für Sommer 2029 geplant, Schulort ist die Berufsfachschule Olten.

    Faire und sichere Markt­bedingungen
    Der FEA setzt sich für international anschlussfähige Rahmenbedingungen für die Branche ein. Dabei sollen schweizspezifische Energie- und Umweltvorschriften möglichst vermieden werden, da internationale Hersteller sonst gezwungen wären, mit hohem Aufwand Sonderlösungen für den Schweizer Markt zu entwickeln. Der Verband verweist gegenüber den Behörden regelmässig auf Lösungen des europäischen Dachverbands.

    Aktuelle politische Schwerpunkte sind neben der Trittbrettfahrerproblematik im Entsorgungsbereich insbesondere Fragen der elektrischen Sicherheit. Problematisch sind dabei Geräte, die über ausländische Onlineplattformen in die Schweiz gelangen und nicht mit dem hiesigen Steckersystem kompatibel sind. Kombinationen von Schuko-Steckern und Adaptern können dabei ein Sicherheitsrisiko darstellen. Aus Sicht des FEA ist der Gesetzgeber gefordert, um Personen- und Sachschäden zu verhindern. Weitere Herausforderungen sind Lieferengpässe bei Halbleitern, unzureichend durchgesetzte Regeln gegenüber ausländischen Onlineanbietern sowie weiterhin bestehende Trittbrettfahrereffekte im Entsorgungsbereich. «Diese Themen gilt es konsequent anzugehen, um faire und sichere Marktbedingungen sicherzustellen,» betont De Pedrini.

    Corinne Remund

    www.fea.ch


    DAS MACHT DER FEA

    Vernetzen, Vertreten, Voranbringen

    Der Fachverband Elektroapparate für Haushalt und Gewerbe Schweiz (FEA) wurde am 21. Januar 1980 gegründet. Seit seiner Gründung setzt er sich für die Interessen der Hersteller, Importeure und Lieferanten von Elektroapparaten für Haushalt und Gewerbe in der Schweiz ein.

    Der Verband engagiert sich gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit für verlässliche und faire Rahmenbedingungen, damit die Unternehmen der Branche in einem funktionierenden Marktumfeld erfolgreich tätig sein können. Gleichzeitig unterstützt er seine Mitglieder mit Informationen, Stellungnahmen, Merkblättern und fachlicher Beratung. Der FEA pflegt einen regelmässigen Austausch mit Behörden und Institutionen wie dem Bundesamt für Energie (BFE), dem Bundesamt für Umwelt (BAFU), dem Eidgenössischen Starkstrominspektorat (ESTI) sowie den Zollbehörden.

    Zu den weiteren Aufgaben des Verbands zählen die Erhebung von Marktstatistiken, die Kommunikation von Branchenthemen, die Organisation von Mitgliederanlässen sowie die Mitgestaltung der beruflichen Bildung. Der FEA zählt derzeit 38 Mitglieder. Diese sind in den drei Produktbereichen Grossgeräte, Kleingeräte und Elektrowärme organisiert. Der Branchenumsatz beträgt über 2 Milliarden Franken pro Jahr.CR

    Vorheriger ArtikelBike to work 2026: erneute Teilnahme-Rekorde
    Nächster ArtikelVom Zwischenhalt zum Sehnsuchtsort